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Jan Mohr - IDM Läufe 5 und 6 Zolder 2019

IDM Zolder 21.-23- 06. 2019

Schlag auf Schlag fanden die ersten drei Saisonstationen der IDM Superbike 2019 statt. Gerade erst die Ereignisse von Oschersleben analysiert, schon ging es weiter zum nächsten Rennen. Dieses Mal nach Belgien an den traditionsreichen Circuit Zolder. Eine oft diskussionswürdige Strecke, da die Sicherheitsstandards nicht immer erfüllt werden. Dennoch macht es extrem viel Spaß hier zu fahren, wenn man sich einmal an die Kuppen und Mauern gewöhnt hat. Die Wettervorhersage war traumhaft und die Vorzeichen waren ebenfalls sehr gut. So konnte es losgehen! Am Freitagmorgen drehte ich bereits meine ersten Runden auf dem Fahrrad und prägte mir die Strecke nochmal ganz genau ein. Das machte sich auch bezahlt, denn in FP1 konnte ich die fünftschnellste Zeit fahren! So gut waren wir noch nie in ein Rennwochenende gestartet. Ich hatte von Anfang an ein gutes Feeling und so stellten wir nur Kleinigkeiten am Fahrwerk um. Im zweiten freien Training verbesserte ich meine Zeit nochmals und beendete die Session auf Rang 8. Anschließend experimentierten wir noch ein wenig mit der Elektronik und ich fuhr in FP2 mit alten Reifen nochmals dieselbe Zeit. Dadurch fiel ich zwar auf Platz 12 zurück, aber das Gefühl fürs Qualifying war sehr gut! Am Samstagmorgen starteten wir mit viel Schwung in das Q1. Ich verbesserte meine Zeit um über eine Sekunde und kam auf Rang 9 an. Die Zeitabstände nach vorne waren sehr gering und ich wusste, dass da noch mehr möglich war. Also volle Konzentration auf Qualifying Zwei! Mein Team nahm noch eine kleine Änderung am Fahrwerk vor und dann lag es an mir, die Zeit zu verbessern. Um Gefühl aufzubauen fuhr ich ein paar Runden mit den alten Reifen und kam zum Boxenstopp. Die Mechaniker montierten nun den weichen Hinterradreifen und ebenfalls einen neuen Vorderreifen. Jetzt hieß es volle Attacke! In der ersten Runde hatte ich Verkehr, aber in der Zweiten fuhr ich eine neue persönliche Bestzeit. Ich sah die 1:33,3 auf dem Dashboard und wusste, für Platz 3 brauche ich „nur“ eine 1:32,9. Meine Runde war noch nicht perfekt und das wusste ich! Ich witterte meine Chance für die ganz große Sensation und pushte noch einmal zu 100 Kurve eins war super. In Kurve zwei waren es leider 101 Prozent.

Ich versuchte einen Hauch später zu bremsen, doch das war zu viel. Ich verlor das Vorderrad und ging zu Boden. Dennoch qualifizierte ich mich auf Startplatz 8, was mein bisher bestes Qualifying Ergebnis in der IDM Superbike 1000 war! Nun gab es aber viel zu tun! Das Team musste eine Nachtschicht einlegen, um das Bike rennbereit zu machen und ich begab mich auf direktem Wege zu meinem Physio, denn mein rechtes Bein hatte ein bisschen etwas abbekommen. Es sah nicht besonders gut aus, da ich die rechte Wade gar nicht belasten konnte. Dennoch war der Start morgen geplant. Um drei Uhr früh war mein Team mit der Reparatur fertig! Die Jungs haben wirklich einen tollen Job gemacht. Ich humpelte am Sonntagmorgen aus dem Bett und suchte sofort wieder meinen Physio Dittmar auf. Die Vorzeichen waren nicht die besten, aber ich versuchte im Warm Up zu fahren. Und es klappte! Sobald ich einmal den Fuß richtig auf der Raste hatte, konnte ich einigermaßen schmerzfrei fahren. Das Bike funktionierte ebenfalls und damit waren wir alle extrem happy! Nun wurde es ernst. Nach dem Qualifying hatten 12 Fahrer realistische Chancen auf das Podium. Von Platz 3 – 12 waren alle innerhalb einer halben Sekunde! Also hieß es voller Fokus nach vorne. Mein Start in das erste Rennen war ziemlich gut. In Kurve zwei musste ich mich leider etwas anstellen und verlor zwei Positionen. Auf Rang 9 liegend sah ich, dass sich die Gruppe vor mir auseinanderzieht, also musste ich nach vorne! Ich ging an Marc Moser auf Position 8 vorbei und war gerade dabei die Lücke zu Alessandro Polita auf P7 zuzufahren, als ich die roten Flaggen sah. Das Rennen wurde aufgrund eines heftigen Sturzes abgebrochen (Rider OK). Kurz darauf wurde das Rennen neu gestartet. Diesmal gelang mir der Start nicht so gut und ich verlor zwei Positionen. Als ich gerade die Aufholjagt starten wollte bemerkte ich, dass sich mein Fahrwerk sehr unruhig anfühlt. Leider holte uns eine Nachwirkung des Sturzes ein und ich bekam starkes „Chattering“ (starke Vibrationen am gesamten Motorrad). Damit konnte ich nicht mehr schnell fahren und es wurde immer schlimmer. Ich hatte wirklich Angst auf dem Motorrad und überlegte mir, in die Box zu fahren. Doch dann sah ich, dass ich (durch Ausfälle vor mir) bereits auf Position 10 lag, was immerhin 6 Meisterschaftspunkte waren. Also zog ich es durch. Ich konnte meinen Hintermann einigermaßen in Schach halten und so fuhr ich mit großer Vorsicht, so schnell ich unter diesen Umständen konnte. Durch zwei weitere Ausfälle kam ich sogar noch auf Rang 8 ins Ziel. Damit betrieben wir sehr gute Schadensbegrenzung. Mein Team behob den vermeintlichen Schaden und wir wollten in Rennen Zwei nochmals richtig angreifen. Leider wurde dieses abgesagt. In den Klassen vor uns ereigneten sich mehrere Motorschäden und die Strecke war an einigen Stellen voll mit Öl. Daher war es die richtige Entscheidung der Rennleitung, die Rennen abzusagen! Leider hat es im Rennen nicht ganz so funktioniert, wie wir es uns wünschten. Dennoch war es ein sehr gutes Rennwochenende an dem uns definitiv der nächste Schritt in Richtung Spitze gelungen ist! Nun werde ich mein Bein schnell auskurieren lassen, aber bereits dieses Wochenende geht es zum nächsten Test auf den Nürburgring! Die Richtung stimmt, die Motivation ist gewaltig und die Zeichen stehen gut für den weiteren Saisonverlauf. Es kann weiter gehen!

 


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