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7. ADAC Junior Cup Rennen in Hockenheim (D)

Die Saison 2015 ist nun vorbei! Es war ein unglaubliches Jahr für mich! Ich habe so viele tolle, leider aber auch furchtbare Erfahrungen gemacht und wirklich viel erlebt, aber dazu später mehr. Jetzt noch ein letzter Wochenendbericht für 2015:

Die Schule hatte wieder begonnen und so verbrachte ich die Hälfte des Anreisetages dort. Um ca. 15:00 Uhr brachen ich und (Papa) Martin nach Hockenheim zum letzten Rennen der Saison auf. Es war bewölkt und hatte nicht ganz 20 Grad. Wie wir das befürchtet hatten fuhren wir in der Nähe von Stuttgart in mehrere größere Staus. So kamen wir also erst um halb Zehn in Hockenheim, wohin wir eigentlich den kürzesten Anreiseweg der Saison hatten, an. Wir suchten unseren Stellplatz und ich ging dann bald schlafen, um voll fit für Morgen zu sein.

Am Freitagvormittag hatten wir viel Zeit, da das Freie Training erst um 16:20 Uhr begann. Wir bereiteten alles vor und warteten motiviert auf den ersten Einsatz. Im Laufe des Tages lernte ich auch noch Patrick kennen, welcher mir anbot, mich in meiner Zukunft als Rennfahrer zu unterstützen. Nun war es endlich so weit, die Ampel ging aus und wir durften auf die Strecke. Ich war von Anfang an schnell, konnte die letzten Zehntel aber nicht mehr finden. So beendete ich das Training auf Platz 5. Damit war ich eigentlich zufrieden, aber ich wusste, da geht noch mehr!

Nach einer Schweigeminute bei der Fahrerbesprechung, hatten alle Fahrer, Eltern und Beteiligten noch die Möglichkeit sich in dem Kondolenzbuch von dem verunglückten Jonas zu verabschieden. Es war sehr ergreifend.

Am Abend kam auch der Rest der Truppe mit (Mama) Sabine und (Bruder) Ken nach. Ich legte mich dann auch wieder früh hin und tankte Energie.

Am Samstag ging es um 9:00 Uhr mit dem ersten Qualifying los. Es war eher kalt und ich brauchte etwas Zeit, um meinen Rhythmus zu finden. Und als ich langsam schneller wurde riss meine Kette mitten auf der Gerade und ich rollte aus. So musste ich zu Fuß zurück ins Fahrerlager und war nur auf Platz 12. Die Kette wurde ersetzt und ich war sehr motiviert fürs zweite Zeittraining. Um 13:40 Uhr ging es weiter und ich wusste, dass es jetzt für die Startaufstellung zählt und ich noch einige Plätze gutmachen muss. Ich hatte noch einen neuen Hinterreifen drauf, welcher zusätzlichen Grip bieten sollte, und das tat er auch! Ich war sofort schnell und fuhr gleich eine halbe Sekunde schneller, als meine bisherige Bestzeit. Da ich in meiner schnellsten Runde in einer Kurve aber noch viel Zeit liegen ließ, war ich fest entschlossen, diese auch noch einzufahren. Und es dauerte genau bis zum Kurveneingang und ich lag da. Ich hatte übermotiviert spät gebremst und wollte das Bike trotzdem in die Kurve drücken. Da rutschte mir das Vorderrad weg und ich konnte es nicht mehr abfangen. Ich ärgerte mich zuerst schwer, da ich wusste, das hätte für ganz weit vorne reichen können. Als ich aber zum Motorrad lief und die abgebrochene Gabelbrücke sah, wandelte sich mein Gefühlszustand schleunigst in: „Hoffentlich kann ich überhaupt zum Rennen antreten!“ Ich kam zurück ins Fahrerlager und wir setzten sofort alle Hebel in Bewegung, um das Bike hinzukriegen. Meine schnellste Runde hatte für die 6. Startposition gereicht. Das war mein bestes Qualifying-Ergebnis der Saison und das freute mich auch, aber es hätte noch weiter vor gehen können. Ich zog mich um und es hatte sich schon eine kleine Menschenmenge vor unserem Zelt versammelt. Mechaniker Martin und einige andere Eltern/Mechaniker halfen uns das Bike wieder zusammenzuflicken. Währenddessen verpflegte uns mein Bruder Ken und ich tankte nochmal Energie fürs Rennen. Das Motorrad wurde fertig und ich war hoch motiviert fürs Rennen. An dieser Stelle Vielen Dank an die Mechaniker und alle die mitgeholfen haben, dass ich starten konnte.

Nun war es endlich so weit, das letzte Rennen der Saison stand vor der Tür. Es war bewölkt und hatte etwas abgekühlt. Ich war hochmotiviert am Vorstart und fuhr so weit vor, wie noch nie in der Startaufstellung. Die Ränge hatten sich auch allmählich gefüllt und es lag richtige Rennatmosphäre in der Luft! Und dann ging es endlich los. Ich hatte einen guten Start und konnte meine Position halten. In der zweiten Kurve konnte ich mich auf die fünfte Position vorschieben. Ich sah, dass die ersten vier (davon ein Gaststarter aus Frankreich) schon ziemlich weit wegzogen. Ich gab sofort alles und es entwickelte sich sofort ein Fünfkampf um die vierte Position. Ich führte die Gruppe zwei Runden lang jedes Mal über den Zielstrich. Es war ein ständiges hin und her. Windschattenduelle und coole Überholmanöver! Als ich ein paar Runden später zum Überholen ansetzte und mir die Gruppenführung zurückholen wollte, sprang mir, wie schon oft zuvor der Gang raus. Aber dieses Mal wäre ich fast gestürzt und verlor einige Positionen. Ich konnte mich wieder fangen und kämpfte wieder mit. Zwei Runden später flog ich fast durch einen Highsider ab, da mir das Hinterrad weit wegrutschte und plötzlich wieder Grip bekam. Ich konnte den Sturz abfangen, musste aber weit gehen und kam in die Regenrinne des Außencurbs. Dort flog ich ein weiteres Mal fast ab, da das Bike total außer Kontrolle war und unter mir einige Male hin und her rutschte. Ich konnte aber auch diesen (beinahe) Sturz abfangen und war wieder im Kampf. Mittlerweile war aus dem Fünfkampf ein Achtkampf geworden. Ich war voll am Limit und gab alles um nach vorne zu kommen. Doch dann hatte ich plötzlich nicht mehr die volle Bremswirkung (Noch eine Folge des Sturzes im Quali). Ich wurde sofort durchgereicht und verlor den Anschluss zu der Kampfgruppe. So lag ich auf dem 11. Platz und musste meinen Bremshebel während des Fahrens adjustieren. Es dauerte fast zwei Runden, bis ich es schaffte und wieder voll bremsen konnte. Es ging noch fünf Runden und ich war fest entschlossen, nochmal vorzufahren. Ich fuhr sofort schnellere Runden als die Gruppe vor mir und konnte wieder anschließen. In der zweitletzten Runde war ich wieder dran. Ich konnte eine Position gutmachen und war wieder voll dabei. In der letzten Runde überholte ich noch zwei Fahrer und wir kamen auf die letzte Kurvenpassage zu. Mit einem sehr waghalsigen Manöver, bei dem ich für kurze Zeit den Bodenkontakt verlor, quetschte ich mich noch an einem weiter Fahrer vorbei. So kam ich auf der siebten Position ins Ziel. Ich ärgerte mich zuerst ein wenig, da der vierte Platz drin gewesen wäre, aber dann überwog die Freude über mein bestes Saisonergebnis, meine brachiale Aufholjagd und ein super cooles Rennen.

Es war ein super cooles Rennwochenende, mit vielen Höhen und Tiefen und dem besten und coolsten Rennen meiner bisherigen Karriere.

Ich möchte mich herzlichst für die Unterstützung bedanken, werde dies aber selbstverständlich noch ausführlicher machen, ein kleines Saison-Resümee verfassen und meine Pläne für die nächste Saison vorstellen.

Bis auf weiteres, Danke, schöne Grüße und bis bald!

Jan #55

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