Nach dem erfolgreichen Start in die Saison legten wir Ende Mai ein Training in Hockenheim ein. Wir reisten zu Dritt (ich, Ken, Papa) am Freitagnachmittag an und wurden sofort, vor dem Eingang ins Fahrerlager, von Micha und Manu begrüßt, die, wie immer, live dabei waren.
Als wir ins Fahrerlager einfahren durften, organisierten wir uns gleich einen Stellplatz in einer Box, bauten alles auf und gingen zur Anmeldung. Ich und Ken fuhren mit Fahrrad und Skooter bei angenehmen Temperaturen über 20 °C um die Strecke. Micha packte seine Kochkünste aus und zauberte uns eine Leckerei, um uns für den nächsten Tag zu stärken.
Am Samstagmorgen brach ich, wie gewöhnlich, zu meiner Joggingrunde auf und war voll motiviert. Da begann es allerdings schon zu regnen und ich rechnete mit einem ersten Turn auf Regenreifen. Es hörte allerdings bald wieder auf und die Strecke begann abzutrocknen. Es war an manchen Stellen noch etwas feucht und so konnte ich noch nicht wirklich Gas geben. Ab dem zweiten Turn ging es dann aber voll. Ich fühlte mich sofort wohl auf dem Bike und war zügig unterwegs. Ich arbeitete an meinem Fahrstil und analysierte Daten, Videos und Fotos sehr genau. Beim letzten Turn des Tages, fing es, als ich am Vorstart stand, leicht zu regnen an. Aus Erfahrung wusste ich, dass ein paar einzelne Tropfen noch nichts ausmachen und ich wollte unbedingt nochmal eine Fahrstilveränderung vornehmen. So schaute ich mir die Bedingungen kurz an und empfand sie als durchaus in Ordnung. In der Haarnadel am hintersten Teil der Strecke hatte es allerdings schon deutlich mehr geregnet, ich konnte das Wasser auf der Strecke mit freiem Auge aber noch nicht wahrnehmen. Also bog ich zügig in die Kurve ein und da rutschte mir das Hinterrad weg und das Motorrad überschlug sich. Ich konnte aber sofort wieder aufstehen. Abgesehen von einem schmerzenden Steißbein und einem stark verspannten Hals, trug ich keine weiteren Schäden davon. Am Motorrad war doch ein kleiner Schaden entstanden, aber meine Mechaniker brachten das schnell wieder hin. Es war ein sehr unnötiger Sturz, aber ich habe meine Lektion gelernt und freute mich auf den nächsten Tag. Aus dem leichten Regen, welcher zu meinem Sturz führte, entstand ein heftiges Gewitter. Die Unterführung, durch welche man in und aus dem Fahrerlager kommt, war meterhoch überflutet und die Boxen entgingen nur haarscharf einer Bewässerung. Nichtsdestotrotz schmiss Papa den Grill an und bekochte uns. Unser Schweizer Boxennachbar tat das auch, wollte aber, aus mir nicht ganz verständlichen Gründen, sein Feuer mit einer Ladung Benzin etwas frisieren, was zu einem spektakulären Feuerwerk führte! (Es wurde niemand verletzt)
Für Sonntag war sehr schlechtes Wetter angesagt und ich rechnete damit, jetzt wirklich einmal die Regenreifen aufzuziehen. Allerdings war das erneut nicht der Fall. Es kam sogar die Sonne am Himmel hervor und ich konnte nochmal drei trockene Trainings am Vormittag fahren. Ins Rennen der 600er startete ich von der vierten Position. Ich verlor vier Zehntel auf den Führenden und hatte mich bis jetzt noch nicht darauf konzentriert schnell zu fahren, sondern viel mehr sauber meinen Fahrstil zu optimieren. Also gab es für mich nur ein Ziel: Das Rennen zu gewinnen. Wir starteten mit einem „fliegenden Start“, d.h. man Fährt eine Runde mit Überholverbot und über Start-Ziel geht es dann los. Gleich in die zweite Kurve fuhr ich vor auf die dritte Position. Es war schon auf den ersten Kilometern eine kleine Lücke zwischen den ersten Zweien und mir entstanden, die ich aber innerhalb der nächsten drei Runden zufahren konnte. Ich war unmittelbar im Kampf um den Sieg dabei und arbeitete an meiner Strategie, um vorbeizukommen und zu gewinnen. Doch dann verlor ich bei einem Überrundungsmanöver viel Zeit, In den nächsten Runden hatte ich wieder Probleme an den Überrundeten vorbeizukommen und so war der Sieg für mich außer Reichweite. Also fuhr ich meinen dritten Platz nach Hause. Ich war zwar etwas enttäuscht, dass ich nicht gewonnen habe, aber es war ja nur ein Trainingsrennen.
Ich konnte auf jeden Fall viel mitnehmen, habe viel gelernt und hatte eine Menge Spaß, sowohl auf, als auch neben der Strecke! Jetzt habe ich nochmal fünf Wochen Pause, bis es dann wieder ernst wird und es nach Belgien zum dritten Rennen geht. Bis dahin werde ich weiter trainieren und meinen Fahrstil nochmal einer ganz genauen Analyse unterziehen, um dann in Zolder richtig angreifen zu können.
Jan #55
Videolänge: 5:22 Minuten