IDM auf dem Schleizer Dreieck
Nach einer dreiwöchigen Pause reisten wir ...
...am Donnerstag zur prestigeträchtigen IDM Veranstaltung nach Schleiz. Dieses Event ist etwas ganz besonderes, nicht nur weil ich hier meinen ersten Gaststart im ADAC Junior Cup gemacht habe, auch weil die Begeisterung der Fans enorm ist. Hier campieren tausende Fans von Donnerstag bis Sonntag auf den Feldern und feiern ihre Motorsportveranstaltung des Jahres. Auch die Strecke ist einzigartig, da sie keine permanente Rennstrecke ist, sondern teilweise auf öffentlichen Straßen gefahren wird. Bereits bei der Ankunft am Donnerstag fuhren wir über einen Teil der Strecke bis hin zur Zielgerade, wo wir dann über die Boxengasse ins Fahrerlager kamen. Dieses Mal wurden wir von Rosa aus Wien begleitet und die Familie mit Ken und Mama Sabine war auch wieder vollzählig. Nachdem wir alles aufgebaut und ausgeladen hatten, fuhren wir mit Fahrrad und Scooter noch eine Runde um die Strecke. Dabei bewahrheiteten sich meine Erinnerungen von vor zwei Jahren: 1) Man muss sehr exakt fahren, um nicht irgendeine Bodenwelle zu erwischen. 2) Man braucht sehr viel Mut, um bei 250 km/h nicht vom Gas zu gehen, wenn einem das Hinterrad etwas wegrutscht und man die Linie auf den Zentimeter genau treffen muss und 3) es wird sicher extrem viel Spaß machen! Auch sehr eindrücklich war, dass uns auf einem Streckenabschnitt auf einmal Busse und Taxis entgegenkamen! Und man sah noch die 60 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung, was irgendwie lustig ist wenn man weiß, dass man morgen mit 250 hier das Motorrad durchzirkeln wird. Ken kochte uns noch etwas zu Abend, wir bereiteten alles für den morgigen Tag vor und hatten einen gemütlichen Abend.
Am Freitag konnte ich mir Zeit lassen, da wir erst um kurz vor 12 dran waren. Nach meiner Joggingrunde und einem kleinen Frühstück stellten wir noch alles am Motorrad perfekt auf mich ein und alles war vorbereitet. Zu diesem Zeitpunkt war es noch nass, aber es schien aufzutrocknen. Als es dann auf die Strecke ging war es Großteils trocken. Ich kam noch überhaupt nicht mit der Strecke zurecht, besonders in den schnellen Passagen war ich noch sehr zaghaft. Ich probierte eine neue Technik zum runterschalten aus, welche mir auch noch gar nicht gelang. So beendete ich das Training auf Platz 21. Ich war allerdings nicht beunruhigt weil ich wusste, dass ich noch viel mehr kann. Ich machte mir einen genauen Plan für den zweiten Turn des Tages und war bereit dafür. Im zweiten Training wurde ich dann schneller, ließ das Gas in den schnellen Kurven stehen und fühlte mich besser. Nur beim Anbremsen hatte ich große Schwierigkeiten, da mir das Hinterrad dermaßen wegrutschte, wenn ich die Gänge runterklopfte, dass ich nicht einlenken konnte und demzufolge früher bremsen musste. Außerdem brachte ich die Gänge in manchen Passagen einfach nicht rein und fuhr oft zu untertourig durch die Kurven. Trotzdem landete ich auf Platz 16. Was nicht gerade gut war, aber in Anbetracht meiner Probleme ganz in Ordnung. Wir analysierten die Daten ganz genau, sprachen mit unserem Fahrwerksexperten Torsten von Öhlins, welcher uns mitteilte, dass er sowas fast noch nie gesehen hatte. Wir stellten die Zugstufe hinten ein wenig härter ein, um dieses Pumpen am Hinterrad zu verringern. Dazu nahm ich mir vor, nochmal was an meiner Schalttechnik zu verändern. Nach langer Data-Recording-Analyse zog ich mich zurück, da am Samstag um 6 Uhr der Wecker klingeln sollte.
Um 6 Uhr ging es für mich gleich auf eine kurze Joggingrunde, um wach zu werden und in Schwung zu kommen. Diesmal hatte es zwar nicht geregnet, allerdings war es sehr frisch und der Tau lag noch auf dem Asphalt, es war also noch unklar wie schnelle Zeiten gefahren werden können. Dann kam aber die Sonne raus und es wurde etwas wärmer. Ich war top motiviert und ging voll fokussiert raus. Die Fahrwerksumstellung und die andere Schalttechnik waren zwar leicht spürbar, aber ich hatte am Kurveneingang immer noch zu kämpfen und wurde nur um zwei Zehntel schneller. Jetzt war ich langsam etwas aufgebracht, weil ich wusste, dass ich nur noch eine Chance habe, um schneller zu werden und ich bisher das ganze Wochenende damit verbracht habe, die Probleme beim Schalten zu lösen und den Rest, den ich mir vorgenommen hatte nicht einmal ausprobieren konnte! Ich kam aber bald wieder auf den Teppich und wusste, dass es jetzt nochmal Zeit für eine ganz genaue Analyse war! Diese war dann auch erfolgreich und ich plante nochmal eine Umstellung. Außerdem schaute Torsten kurz bei uns vorbei und wir stellten die Druckstufe hinten auch noch ein paar Klicks härter. Dann kamen wir zu einem lockeren Teil des Tages: Autogrammstunde! Wie schon gesagt, ist die Atmosphäre in Schleiz unglaublich und die Fans sind einfach der Hammer! Hier fühlt man sich schon fast wie ein MotoGP-Fahrer. Die Leute stehen Schlange um Autogramme zu bekommen und ich saß mit Größen wie Marcel Schrötter, Markus Reiterberger, Max Neukirchner und Florian Alt an einem (sehr langen) Tisch. So etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt und es war einfach fantastisch! Nach gut einer ¾ Stunde Karten, T-Shirts und Kappen Unterschreiben, wurde es dann wieder ernst. Die Vorbereitung für das finale Qualifying nahte. Als ich rausfuhr, tat ich mein Bestes, um meinen Stil nochmals umzustellen und siehe da, es hat endlich funktioniert! Ich konnte nun mit einem leichten, kontrollierten Slide in die Kurven einlenken und konnte dadurch wieder viel später bremsen! Das Problem, dass ich die Gänge nicht reinbrachte, bestand allerdings immer noch. Und so kam ich erst in der aller letzten Runde fehlerfrei um den Kurs. Ich wusste, dass dies meine Letzte Chance war, als ich auf Start-Ziel rauskam und machte mich so klein, wie nur irgendwie möglich und versuchte jeden Gang auf die Umdrehung genau auszufahren! Als ich über die Ziellinie kam, zeigte mir mein Lap-Timer eine, um 1 ½ Sekunden schnellere Rundenzeit an, als alles, was ich bisher an diesem Wochenende gefahren war. Mir fiel eine gewaltige Last von den Schultern und ich jubelte die ganze Auslaufrunde, da ich mit dieser Runde mit einem Startplatz in den Top 10 rechnete! Als ich zurück ins Teamzelt kam, sagte mir Papa allerdings, dass ich nur eine 1:33,0 gefahren sei, mir hat es allerdings eine 1:32,5 angezeigt. So lag ich „nur“ auf Platz 14 und die Euphorie nahm wieder etwas ab, trotzdem war ich froh endlich meine groben Schwierigkeiten überwunden zu haben und fürs Rennen war bis in die Top 10 alles möglich. Meine Probleme, die das „Gänge reinbringen“ betrafen waren allerdings noch nicht gelöst. So beschlossen wir die Position des Ganghebels etwas zu modifizieren, wodurch ich mir diesbezüglich leichter tun sollte. Anschließend hatten wir noch einen gemütlichen Abend und ich war voller Vorfreude auf das morgige Rennen.
Das erste was ich am Sonntagmorgen gegen halb 8 hörte, trug nicht unbedingt zu meiner Begeisterung bei. Ein Geräusch, welches mir während meiner Rennkarriere schon einige unschöne Momente brachte: Die zahlreichen Regentropfen, die auf das Dach des Wohnmobils prasselten! Ich war keine 5 Sekunden wach, schon ging mein Gehirn die diversen Strategien für ein Regenrennen durch. Dazu kam eine gewisse Unsicherheit, da ich in dieser Saison noch nie die Möglichkeit hatte die Regenreifen zu testen und dann ausgerechnet hier, wo man sich bereits im trockenen fast an***** weil die Strecke so wild ist! Nun gut. Ich brach zur Joggingrunde auf und versuchte mich nur auf den Bevorstehenden Tanz mit dem Limit zu konzentrieren. Gegen halb 9, eine gute Stunde vor unserem Rennen, erfuhren wir dann, dass es bei den Superbikes einen Motorplatzer auf Start-Ziel gab und nun eine gigantische Ölspur die Zielgerade zierte. Im Trockenen ist das Bindemittel zwar mit Vorsicht zu genießen, kann aber Befahren werden, im Nassen allerdings ist es schlicht unbefahrbar. Kurz nach meinem Erwachen hatte es dann aber auch schon wieder aufgehört zu regnen und momentan wussten wir nicht ob Regen- oder Trockenreifen. Die Ideallinie war nun sogar teilweise trocken, daher waren Trockenreifen die einzige Option. Als ich in die Startaufstellung fuhr, bemerkte ich allerdings, dass man noch sehr vorsichtig sein musste, da in Kurve eins gerade einmal ein 10 cm breiter Streifen trocken war und man z.B. in Kurve 5 dem Wasser gar nicht ausweichen konnte. Ich fuhr direkt durch die Boxengasse, um mir die Strecke nochmal eine Runde lang anzusehen. Man konnte an manchen Stellen schon voll fahren und an Anderen war große Vorsicht angebracht. Unklare Bedingungen sind für jeden Motorradfahrer sehr unangenehm und da dies mein erstes Rennen unter diesen Umständen war, war ich ein wenig nervöser als sonst. In der Warm-Up Runde schaute sich jeder die Bedingungen nochmal ganz genau an und war zur Attacke bereit. Als die Ampeln ausgingen wurde es richtig spannend! Ich hatte einen super Start und konnte mir gleich einige Konkurrenten schnappen. In der ersten Kurve fuhren alle sehr vorsichtig, da ja nicht alle über diesen schmalen, trockenen Streifen fahren konnten. Nach den ersten paar Kurven lag ich auf Position 10 und tat mein Möglichstes um die Bedingungen richtig einzuschätzen und dranzubleiben, aber nicht zu viel Risiko zu gehen. Offenbar ging ich auf den nassen Flecken etwas zu zaghaft ans Werk, denn ich wurde gleich etwas durchgereicht. Ich versuchte immer an meinem Vordermann dranzubleiben, aber über die nassen stellen, waren sie einfach schneller. Nach ein paar Runden lag ich dann auf Platz 16, hatte meinen Rhythmus aber langsam gefunden. So fuhr ich hinter meinen beiden Schweizer Konkurrenten und konnte den Abstand gering halten. Gegen Rennende schloss ich die Lücke zu Patrick und war direkt an ihm dran. Ich wusste, dass ich jetzt schnell an ihm vorbei muss, wenn ich den nächsten Gegner auch noch überholen will. Ich fand aber keine Möglichkeit vorbeizugehen, da ich die Ideallinie verlassen hätte müssen und es dort noch nicht ganz trocken war. Die letzte Runde war angebrochen und ich war immer noch nicht vorbei. Ich dachte mir, dass ich mich in der langsamen Spitzkehre an ihm vorbeibremse, da ich dort immer etwas schneller war als er. Als wir dann darauf zukamen, sah ich auf einmal gelbe Flaggen und das heißt Überholverbot! Also korrigierte ich meine Linie schnell, platzierte mich außen und holte viel Schwung für die nächste Gerade. Ich kam super raus und konnte mich auf der Gerade neben ihn setzen. Ich bremste etwas später als Patrick, machte die Tür zu, fuhr so schnell ich konnte durch die letzte Schikane und brachte mit dem 14. Platz noch zwei Punkte nach Hause. Ich war ein wenig enttäuscht, da mit dem guten Start und den behobenen Problemen noch deutlich mehr drin gewesen wäre. Hätte ich in den ersten Runde nicht so abreißen lassen, wäre viel möglich gewesen, aber ich dachte eben, dass nicht mehr geht. Obwohl ich nicht belohnt wurde, sehe ich dieses Wochenende als sehr wichtig für meine weitere Rennkarriere, da ich enorm viel gelernt habe, wieder einmal hart gearbeitet habe, um meine Problem zu lösen und gelernt habe mit Mischbedingungen umzugehen. Damit bin ich einigermaßen getröstet, aber natürlich nicht zufrieden. Und außerdem war von den körperlichen Problemen, die ich beim letzten Rennen hatte, nichts mehr zu spüren. Jetzt heißt es, das Positive mitnehmen, nochmal genau analysieren und dann in Assen das gelernte umsetzen und endlich einen Schritt nach vorne machen!
Jan #55
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Videolänge: 8:24 Minuten
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